OBERHAUSEN: Schmalle  01.06.2016

Schon länger planen wir, unsere Nebenrubrik POTTMENSCH auszubauen. Hier geht es nicht um schicke SPOTTs, sondern um die Menschen, die das Ruhrgebiet vor allem ausmacht. Eine dieser Personen ist mein alter Freund Schmalle aus Oberhausen.

Schon vor +1 Jahr war ich mit Schmalle in Oberhausen–Lirich unterwegs, SEINEM Stadtteil, seiner Heimat. Nun ist es so, dass wir bis heute nicht einen SPOTT in Oberhausen vorweisen können - es gibt dort schlichtweg nichts. Zumindest nichts, was den üblichen POTTSPOTT–Kriterien entspräche. Und Lirich ist davon quasi noch die Steigerung, weswegen wir die Fotos in Rücksprache mit Janine erst einmal auf Eis legen mussten.

Ich selbst komme aus dem Duisburger Norden. Klar, ich liebe die urbaneren Viertel im Revier, wie Bochum-Ehrenfeld, das Dortmunder Kreuzviertel oder Essen–Rüttenscheid, wo ich mittlerweile selbst lebe. Aber das echte Ruhrgebiet, das findet man dort nicht unbedingt – in Oberhausen, in Lirich, da aber ist es zu Hause. Hier finden sich noch Trinkhallen, echte Pommesbuden, und Ruhroriginale, wozu Schmalle in Oberhausen trotz seiner gerade mal 31 Jahre definitiv zählt.

Schmalle war jahrelang als Hip–Hop–Künstler im Ruhrgebiet unterwegs. Heute ist er als Erzieher, Sozialarbeiter und Ansprechpartner zum Thema Islamismus und Radikalisierung bei Jugendlichen aktiv. Er ist ein extremer Charakter, 2 Meter groß, bullig, immer laut, frei Schnauze, aber mit einem großen Herz.

Die Kinder und Jugendlichen mögen und respektieren ihn – ich kann mir keine bessere Besetzung für den Job vorstellen, egal, ob nun im Jugendclub Courage e.V., in der Betreuung von Flüchtlingen, oder als Erzieher in diversen Einrichtungen. Darüber hinaus schreibt er mittlerweile auch häufig Artikel für diverse Medien, und ist politisch aktiv durch das Veranstalten von Diskussionsrunden und Vorträgen.

Neulich veranstaltete die Linksjugend ['solid] in Oberhausen, in der Schmalle aktiv ist, ein "Dinner for all", bei dem Geflüchtete und Einheimische zusammen kochten, tanzten und sich interkulturell austauschten. Er bat mich um einige Fotos, und es war ein wirklich schöner Abend mit regem Austausch und leckeren vegetarischen Gerichten.

Auch wenn wir als POTTSPOTT politisch neutral agieren ( nur AfD & Co. finden wir Kacke ), war es eine gelungene Abwechslung für mich. Die Veranstaltung sprach sich auf der Straße schnell herum, was auch an der orientalischen Live–Band lag, die man bis draußen sehr gut hören konnte. Auch Oberhausens Oberbürgermeister Daniel Schranz ließ es sich nicht nehmen, vor Ort vorbeizuschauen – eine schöne Geste!

Für mich ein Anlass, endlich einmal ihn als POTTMENSCHen vorzustellen – mit Fotos des ,,Dinner for all" ( digital fotografiert ), aber auch – weiter herunter scrollen – einer Auswahl der damaligen Lirich–Fotos ( analog fotografiert ), auf der einige Highlights dieser echten Ruhrgebiets–Ecke zu sehen sind.